Integration, Stufe 1: Mein Hund

Meine Hündin Sunny war an vieles gewöhnt.

Weinberge bei Baden.
Weite Spaziergänge.
Zivile Hundebegegnungen.

Konflikte von überschaubarer Dramatik.

Unfreundliche Artgenossen wurden mit Badener Ignoranz umgangen.

Was sie nicht kannte: einen Bauernhof.


Erste Lageeinschätzung

Sunny saß bei unserer ersten Ankunft neben den Kindern mit im Auto.

Die Kinder grün im Gesicht.
Der Hund hingegen aufrichtig interessiert.

Nach der Ankunft sprang Sunny aus dem Auto.

Alles roch interessant.

Nach Kuh?
Nach Hund?
Nach Mist?

Deutlich über Weinberg-Niveau.

Wir gingen um das Auto herum, um Franz zu begrüßen, der auf uns zukam, sowie die Verwandtschaft, die am Terrassentisch saß.

Dauer: unerwartet kurz.


Hofordnung

Die Tante hatte ihre Hündin Mira mitgebracht.

Mira und der Hofhund Bello kannten einander seit Jahren.

Sunny hingegen stellte eine vollkommen neue Variable im bestehenden Gefüge dar.

Eine weibliche.
Fremde.
Unangekündigte.

Klärungsbedarf: sofort.

Mira schoss wie von Bienen gestochen unter dem Tisch hervor.
Bello folgte.

Sunny reagierte situationsadäquat.
Flucht.


Fluchtlogistik

Noch bevor ich meine Schuhe wechseln konnte, musste ich meinem panisch Richtung Auto sprintenden Hund hinterher.

Ich rannte los.
Sommerkleid.
Ungeeignetes Schuhwerk.

Sunny erreichte das Auto vor mir, ich die Fahrertür vor den anderen Hunden.

Rückblickend: bemerkenswert kooperativ.

Noch bevor ich reagieren konnte, hatte sich mein Stadthund über den Fahrersitz ins Wageninnere katapultiert und auf der Rückbank in Deckung gebracht.

Ich ließ sie dort.

Zog mir anschließend meine Gummistiefel an.

Und registrierte beiläufig, dass Franz und die versammelte Familie eine Gelassenheit an den Tag legten, die auf langjährige Erfahrung mit derartigen Szenarien schließen ließ.

Niemand sprang auf.
Niemand pfiff einen Hund zurück.

Offenbar: regelkonform.

Wir waren Eindringlinge.

Das wurde unmissverständlich kommuniziert.


Zweiter Versuch

Nach dem Stallbesuch beschlossen wir, Sunny eine weitere Chance zur Integration einzuräumen.

Diesmal angeleint.

Sie zögerte beim Verlassen des Autos, sprang schließlich heraus und suchte Schutz hinter meinen Beinen.

Nur wenige Minuten später erschien Bello.

Kontakt.
Beschnuppern.
Abwägen.
Sympathie.

Ohne Mira zeigte sich Bello bemerkenswert kontaktfreudig.

Zumindest Sunny gegenüber.

Zu uns hielt er vorerst einen höflich-skeptischen Abstand.

Sunny hingegen war schlagartig angetan.

So sehr, dass sie sich bei unserer Abreise weigerte, ins Auto einzusteigen.

Wenn ich sie rief, rannte sie weg.
Wenn ich sie schnappen konnte, wand sie sich aus dem Geschirr.

Franz schlug vor, sie könne vorerst bei ihm bleiben.

Ich könne sie ja morgen holen.

Nun ja.

Ich stimmte zu.

Was sollte schon passieren?

Bello war kastriert.
Sunny offensichtlich verliebt.


Nachhaltige Bindung

Ab dann: stabil.

Sunny hatte ihre erste erfolgreiche Integrationsstufe erreicht.

Meine Kinder zeigten sich irritiert über die plötzliche Landliebe unseres Stadthundes.

Wir freuten uns für sie.

Mit leichten Vorbehalten.


Nebenwirkungen

Wenn Sunny läufig war, intensivierte sich ihr Bewegungsdrang erheblich.

Bello schlief im anderen Haus.

Sunny akzeptierte diese räumliche Trennung nicht.

Sie versuchte, sich eigenständig Zugang zu verschaffen.
Durch eine massive Holzeingangstür mit Glaselementen.

Das Ergebnis:

Verzierleisten → Sägemehl
Türstruktur → kompromittiert
Meine Stimmung → angespannt

Während ich bereits Reparaturkosten kalkulierte, begegnete Franz der Situation mit einer Gelassenheit, die ein bemerkenswertes Verständnis für biologische Triebkräfte erkennen ließ.


Erweiterter Aktionsradius

Bello verfügte über ein weitläufiges Waldrevier.

Die Jäger kannten ihn.

Sunny begleitete ihn eines Tages.

Dumm nur, dass sie fuchsartig braun war und im Wald potenziell missverständlich wirkte.

Die Jäger: besonnen.

Sunny hingegen überschätzte ihre konditionellen Ressourcen.

Bello kehrte am Abend zurück.

Sunny nicht.

Meine Sorge stieg.
Mein Unmut gegenüber Bello ebenfalls.

Ich strafte ihn mit Ignoranz.

Er verstand sofort.
Und zog sich beleidigt zurück.

Wir fanden Sunny am Nachmittag.

Leicht humpelnd.

Aber zufrieden.


Technische Konsequenzen

Ab diesem Tag erweiterten wir unsere Sicherheitsmaßnahmen.

Sunny erhielt einen Tractive-Sensor.

Nerven: deutlich geschont.

Antwort

  1. Avatar von sparklycowboy6429a09410

    Du und die Tiere „wunderbar“

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