
Ich heiße Christina Sommer, bin Mitte Vierzig und lebe gemeinsam mit meinem Ehemann in einer Patchworkfamilie, die sich über die Jahre auf ganz eigene Weise zusammengefunden hat.
Ich brachte zwei Kinder mit, mein Mann ebenfalls.
Unser gemeinsames Kind kam vor acht Jahren dazu und ergänzte das familiäre Gefüge um eine weitere, sehr lebendige Dynamik.
Seine beiden Kinder lebten nicht dauerhaft bei uns, sind jedoch ein selbstverständlicher und geschätzter Teil unseres Lebens — der Kontakt ist eng, herzlich und erfreulich unkompliziert.
Seit mehr als einem Jahrzehnt bin ich auf dem Nazbauerhof im wunderschönen Niederösterreich zu Hause — eine Entwicklung, die ursprünglich weniger aus landwirtschaftlicher Berufung entstand, sondern aus einer Reihe emotional motivierter Entscheidungen und bemerkenswertem Optimismus.
Das Landleben erwies sich dabei als ausgesprochen lehrreich.
Es brachte mich regelmäßig an meine Grenzen, gelegentlich darüber hinaus und stellte mein Selbstbild als ehemals strukturorientierte Versicherungskauffrau mit Hang zu Bedingungswerken, Kalkulationen und geordneten Rahmenbedingungen nachhaltig auf die Probe.
Auch meine spätere Ausbildung im Bauingenieurwesen und die Tätigkeit im Baumanagement konnten mich nur begrenzt auf die Realität vorbereiten, die ein landwirtschaftlicher Betrieb bereithält.
Die Regeln sind hier andere.
Was als eine Art experimenteller Einstieg mit überschaubarer Stallkompetenz, zahlreichen Fehlannahmen und einer gewissen Neigung zum Stolpern begann, entwickelte sich über die Jahre zur Betriebsführung eines landwirtschaftlichen Unternehmens — begleitet von vielen Ideen, stetigem Lernprozess und einem konstanten Mangel an Zeit.
Die Landwirtschaft ist kein Beruf, auf den man sich theoretisch vorbereiten kann.
Sie ist eine Lebensweise.
Und sie besitzt eine beeindruckende Fähigkeit, persönliche Gewissheiten regelmäßig neu zu justieren.